Portugal - Frankreich 0:1

Frankreich

Der zweite WM-Finalist heißt Frankreich, die Equipe Tricolore trifft nun am Sonntag auf Italien. Im Halbfinale gegen Portugal setzte sich der Weltmeister von 1998 mit 1:0 durch, Torschütze war Zidane in der 33. Minute mit einem Foulelfmeter. Portugal bleibt ebenfalls im Turnier und ermittelt am Samstag gegen Deutschland, wer das Turnier als Drittplatzierter beendet.

Frankreich folgt Italien ins WM-Finale – Zidane trifft per Elfmeter

Nach dem bitteren Ausscheiden der deutschen Mannschaft und dem damit verbundenen Einzug der Italiener ins Finale wurde jene Mannschaft gesucht, die am Sonntag im Berliner Olympiastadion mit der Squadra Azzura um den Weltmeistertitel kämpfen darf. Frankreich und Portugal standen sich im Münchner WM-Stadion gegenüber, beiden wurde vor Turnierbeginn das Vordringen ins Semifinale nur bedingt zugetraut. Frankreich, von vielen Experten bereits abgeschrieben und als Altherren-Truppe verspottet, steigerte sich im Verlauf der Endrunde sukzessive. Nach der schwachen und nur mühevoll überstandenen Vorrunde kegelte die Equipe Tricolore zunächst Spanien und dann am vergangenen Samstag Weltmeister Brasilien aus dem Turnier. Portugal setzte sich in der Gruppenphase gegen Angola, den Iran und Mexiko durch und eliminierte in der inzwischen schon fast legendären Schlacht von Nürnberg Holland. Die Hürde England wurde im Elfmeterschießen übersprungen und nun hatte die Scolari-Elf also Frankreich vor der Brust. Dabei konnte der Vizeeuropameister auf die Dienste des zuletzt gesperrten Deco zählen. Logisch, dass der Spielmacher in die Mannschaft zurückkehrte. Auch Costinha war wieder mit von der Partie. Petit und Tiago blieb nur der Platz auf der Bank. Auf Seiten der Franzosen gab es im Vergleich zum Brasilien-Spiel keine Veränderungen. Domenech setzte einmal mehr auf Thierry Henry als einzige Sturmspitze, unterstützt von drei offensiv gepolten Mittelfeldspielern.

Beide Mannschaften legten eine flotte Anfangsphase auf den Rasen. Gerade mal 37 Sekunden vergingen bis zum ersten Torschuss. Ein langer Pass aus der eigenen Hälfte fand Malouda, der aber deutlich verzog und Ricardo nicht zum Eingreifen zwang (1.). Auf der Gegenseite gehörte die erste Aktion Deco, der mit seinem Flachschuss aus gut 20 Metern Barthez forderte. Der Keeper tauchte rechtzeitig ab, Sagnol hinderte den nachrückenden Ronaldo am Nachschuss (4.). Hatten die ersten Minuten noch den Franzosen gehört, so übernahm Portugal nach einer kurzen Eingewöhnungsphase das Kommando. Maniche wurde per Absatzkick von Ronaldo bedient und versuchte es aus der Distanz, der Schuss ging knapp über das französische Tor (9.). Weitschüsse waren das bevorzugte Mittel der Südeuropäer, die zwar ein Plus an Spielanteilen verzeichneten, aber ihre einzige Spitze Pauleta so gut wie gar nicht mit brauchbaren Zuspielen versorgen konnten. Die Franzosen standen aber keineswegs nur in der Defensive. Nach einer sehenswerten Kombination über Zidane und Ribery flankte Abidal auf Henry, der einen Schritt zu spät kam (14.). Die erste Viertelstunde hatte in Sachen Tempo und Technik noch auf einem ausgezeichneten Niveau gestanden, nach rund 20 Minuten aber gewann die Vorsicht die Oberhand und beide Mannschaften agierten zurückhaltender. Der Führungstreffer der Equipe Tricolore fiel in der 33. Minute. Henry versuchte im Sechzehner an Carvalho vorbeizukommen und wurde dabei vom portugiesischen Verteidiger unfair gestoppt. Schiedsrichter Larrionda aus Uruguay entschied korrekterweise auf Strafstoß für Frankreich. Zidane trat an, Torhüter Ricardo ahnte zwar die richtige Ecke, war aber machtlos gegen den harten und platzierten Schuss des Franzosen (33.). Mit dem 1:0 im Rücken spielte Frankreich souveräner und ließ nun kaum mehr Chancen der Portugiesen zu. Diese versuchten nach wie vor ihr Glück meist aus der Distanz, allen voran der sehr abschlussfreudige Maniche. Unterm Strich wirkte das aber zu weiten Teilen unbeholfen und einfallslos. Aus dem Mittelfeld, dem vermeintlichen Prunkstück der Scolari-Elf, fehlten die Impulse, besonders Deco enttäuschte. In wirkliche Gefahr gerieten Les Bleus vor dem Gang in die Kabine nicht mehr.

Nach dem Seitenwechsel hatten zunächst die Franzosen wieder mehr vom Spiel und folgerichtig die besseren Einschussmöglichkeiten. Henry ließ Meira ganz alt aussehen, schüttelte den Stuttgarter ab und wurde vom aufmerksamen Ricardo am Torerfolg gehindert (48.). Bei einem ansatzlosen Schuss von Ribery musste der Keeper ebenfalls eingreifen und das Spielgerät über die Querlatte lenken (49.). Der Ex-Weltmeister drängte in dieser Phase auf den zweiten Treffer, stand darüber hinaus aber weiterhin sicher in der eigenen Hälfte und ließ nur ganz wenige echte Chancen für Portugal zu. Eine davon hatte Pauleta, der den Ball im Strafraum behauptete und sich blitzschnell um seinen Widersacher drehte, allerdings nur das Außennetz traf (53.). Wie schon in den Partien zuvor hing Pauleta mächtig in der Luft, war kaum ins Spielgeschehen eingebunden und strahlte dementsprechend wenig Torgefahr aus. Portugal mühte sich zwar, fand aber so gut wie keine Mittel gegen die sattelfeste französische Innenverteidigung um den überragenden Lilian Thuram. Die Equipe Tricolore kam fast zwangsläufig zu Konterchancen, spielte diese jedoch nicht konsequent zu Ende. Das Match reihte sich nahtlos in die Mehrzahl der bisher gesehenen KO-Spiele ein, sonderlich viel passierte nicht im zweiten Durchgang. Scolari gab seine vorsichtige Grundhaltung auf und brachte mit Postiga einen weiteren Angreifer, Costinha musste vom Platz. Für die vielversprechendste Chance wurde allerdings gegnerische Hilfe benötigt. Einen an sich nicht allzu gefährlich getretenen Freistoß von Ronaldo konnte Barthez nicht festhalten. Figo kam an den Ball, traf mit dem Kopf aber das leere Tor aus kurzer Entfernung nicht (78.). Recht viel mehr gab die Schlussoffensive der Weinroten nicht her. Meira hatte in der Nachspielzeit noch die Möglichkeit zum Ausgleich, der Schuss des Verteidigers aus 16 Metern verfehlte das Tor relativ deutlich (92.). Die Vorlage war vom eingewechselten Helder Postiga gekommen, der bis dato nur durch plumpe Theatralik aufgefallen war.

Zum zweiten Mal nach 1998 steht Frankreich im Endspiel der Fußball-WM, erstmals außerhalb des eigenen Landes. Die Equipe Tricolore steigerte sich, angeführt vom wie in allerbesten Tagen glänzenden Zinedine Zidane, von Spiel zu Spiel. Auch gegen Portugal verdienten sich die Franzosen das Weiterkommen, insbesondere danke der sicheren Defensive. Der Vizeeuropameister wusste sich nach dem Rückstand nicht zu helfen und konnte Barthez selten ernsthaft ins Schwitzen bringen. Frankreich trifft nun im Endspiel am Sonntag auf Italien, es kommt zur Neuauflage des Finales der Euro 2000. Damals führte Italien lange, musste in der Schlussminute den Ausgleich und in der Verlängerung den zweiten Gegentreffer einstecken. Für die Azurri bietet sich nun in Berlin die perfekte Gelegenheit, um sich zu revanchieren. Für die Portugiesen ist die WM ebenfalls noch nicht beendet, am Samstag geht es im Spiel um Platz drei in Stuttgart gegen Deutschland.

06. Juli 2006 - Christian Linner

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