Der deutsche Kader beim Turnier

Kader

Scheidet Deutschland früh aus, so sind sie die Versager der Nation. Werden wir jedoch Weltmeister, dann werden noch Generationen von den Helden von damals träumen. Diese 23 Spieler laufen für das deutsche Team auf:

1 Jens Lehmann - die Nummer eins

Position: Torwart
Verein: Arsenal London (ENG)
Alter: 36
Länderspiele (Tore): 32 (0)

Im Ausland war die Überraschung groß, als Jürgen Klinsmann vor einigen Wochen Jens Lehmann zur neuen Nummer eins im deutschen Tor erklärte. Schließlich stand bis dato kein geringerer als "Kahn, der Titan" zwischen den Pfosten des deutschen Tores. In Deutschland aber hatte man längst damit gerechnet, denn der Wechsel hatte sich bereits angedeutet. Der Arsenal-Keeper, der 1997 mit Schalke 04 den UEFA-Pokal und 2002 mit Dortmund die deutsche Meisterschaft gewann, hat eine hervorragende Saison gespielt, erreichte mit den "Gunners" sogar das CL-Finale. Seine Spielweise - Lehmann ist ein spielender Torhüter, beinahe ein Libero - passt glänzend in die offensive Spielphilosophie des Bundestrainers. All dies trug dazu bei, dass "Cleansman" den "Lehman" von der Nummer 1B zur Nummer 1A beförderte. Nach mehreren Turnieren als Bankdrücker erfüllt sich damit der große Traum des smarten Keepers: Bei der WM im eigenen Lande das deutsche Tor zu hüten. Viel Glück, Herr Lehmann!

2 Marcell Jansen - der Benjamin

Position: Verteidiger
Verein: Borussia Mönchengladbach
Alter: 20
Länderspiele (Tore): 7 (0)

Viele Experten halten Marcel Jansen für die bessere Alternative auf der linken Abwehrseite. Der dort eingesetzte Philipp Lahm könnte schließlich auch auf rechts ausweichen und somit für den Linksfüßer aus Gladbach Platz machen. Der Bundestrainer sieht dies anders - zumindest noch im Moment. Für ihn ist Lahm auf der linken Seite unentbehrlich. Aber Jansen ist ja noch jung, mit einem Alter von 20 Jahren ist er der Benjamin im deutschen Kader. Oliver Kahn oder Jens Lehmann, beide Ende 30, könnten vom Alter her beinahe seine Väter sein. Die Tatsache, dass er nominiert wurde, ist für Jansen, der gerade einmal 50 Bundesliga-Spiele absolviert hat, ein Riesenerfolg. Auf Grund seiner starken Leistungen bei der Borussia in der Saison 2005/2006 ist die Nominierung aber auch vollkommen berechtigt.

3 Arne Friedrich - der Vielseitige

Position: Verteidiger
Verein: Hertha BSC Berlin
Alter: 27
Länderspiele (Tore): 36 (0)

Im Fußball unserer Zeit ist es wichtig, binnen kürzester Zeit flexibel reagieren zu können. Dies ist aber nur möglich, wenn man über Spieler verfügt, die auf verschiedenen Positionen eingesetzt werden können. Der Berliner Arne Friedrich gehört zu eben jener Gattung. Der Verteidiger, der als einer der schnellsten Spieler der Bundesliga gilt, ist im DFB-Team auf der rechten Seite eine feste Größe, kann aber auch mühelos einen Platz in der Innenverteidigung einnehmen. Mit 27 Jahren und 34 Länderspielen gehört Friedrich mittlerweile zu den erfahreneren Spielern im deutschen Team. In seinem Verein, der Hertha, ist er Kapitän und Führungsspieler. Wenn er noch etwas mehr aus sich herausginge, könnte er noch wertvoller für die Mannschaft sein.

4 Robert Huth - der Kompromisslose

Position: Verteidiger
Verein: Chelsea London (ENG)
Alter: 21
Länderspiele (Tore): 16 (2)

Allein schon seine bullige Statur und sein markiges Gesicht können einem bereits Angst einflößen. Aber spielen Sie mal gegen diesen Mann! Das ist mit Sicherheit kein Zuckerschlecken. Robert Huth ist nämlich ein Innenverteidiger der robusten Art. In der Tradition eines Jürgen Kohler oder eines Katsche Schwarzenbeck geht Huth gnadenlos in die Zweikämpfe. Ein Duell mit ihm wird für den gegnerischen Stürmer nicht selten zu einer schmerzhaften Erfahrung. Oft hat Huth mit dieser Spielweise Erfolg, doch diese Art zu spielen, beinhaltet ein hohes Freistoß- und Elfmeterrisiko. Aber wie soll der 21-Jährige auch anders spielen? Schließlich ist er seit 2001 in der Premier League unter Vertrag. Mit dem FC Chelsea wurde er dort zuletzt zweimal in Folge englischer Meister. Wirklich glücklich wurde Huth in London aber nicht. Beim Abramovic-Club gehörte er meist nur zur zweiten Garnitur. Jetzt scheint es endlich mit dem Wechsel zu klappen, ein Transfer zum FC Middlesbrough steht kurz bevor. Doch für einen Stammplatz im DFB-Team kommt der Vereinswechsel ein Jahr zu spät. Schade, denn Potential hat Robert Huth allemal.

5 Sebastian Kehl - der Geläuterte

Position: Mittelfeld
Verein: Borussia Dortmund
Alter: 26
Länderspiele (Tore): 27 (3)

Warum Sebastian Kehl nach der WM 2002 kaum mehr mit der Nationalmannschaft in Verbindung gebracht wurde, ist vielen Fußballanhängern in Dortmund ein Rätsel, zumal die Spieler auf seiner angestammten Position, dem zentralen defensiven Mittelfeld, im DFB-Team nicht so zahlreich gesät sind. Doch es gab Gründe für die "Verbannung": Kehl konnte sein aufbrausendes Temperament nicht im Zaum halten, fiel immer wieder durch Unbeherrschtheiten auf. Seit einiger Zeit hat er dieses Problem jedoch im Griff. Die Giftigkeit in seinem Spiel ist nach wie vor vorhanden, die groben Aussetzer bleiben jedoch aus. Folgerichtig feierte Kehl, der seine Bundesliga-Karriere übrigens in Freiburg begann, anno 2006 bei einem Freundschaftsspiel sein Comeback im DFB-Trikot. Ausgerechnet im heimischen Westfalenstadion! Seitdem ist Kehl wieder fester Bestandteil des Kaders. Sollte es zu einem Aufeinandertreffen mit einer spielstarken Mannschaft wie den Niederländern oder den Brasilianern kommen, könnte der Dortmunder für die DFB-Elf noch sehr wertvoll sein. In diesem Falle wäre Klinsmann gut beraten, im defensiven Mittelfeld statt nur einen gleich zwei Spieler aufzustellen. Der eine wäre Torsten Frings, der ohnehin auf dieser Position gesetzt ist. Der andere Spieler hieße dann entweder Tim Borowski - oder eben Sebastian Kehl.

6 Jens Nowotny - der Rückkehrer

Position: Verteidiger
Verein: Bayer 04 Leverkusen
Alter: 32
Länderspiele (Tore): 46 (1)

Wenn ein Fußballspieler einen Kreuzbandriss erleidet, dann ist das tragisch. Wie aber soll man es nennen, wenn einem Akteur dieses Malheur gleich viermal widerfährt? Innenverteidiger Jens Nowotny ist dieses Unglaubliche passiert. Was aber noch viel erstaunlicher ist: der heute 32-Jährige hat sich immer wieder zurückgekämpft und ist nun sogar für den Bundestrainer wieder eine echte Alternative. In der zurück liegenden Halbserie spielte Nowotny fast so stark wie zu seinen besten Zeiten und weckte sogar bei einigen Clubs aus dem Ausland Begehrlichkeiten. Mit seiner Erfahrung aus 15 Jahren Profifußball dirigiert Nowotny eine Abwehr mühelos. Die Schnelligkeit ist nicht sein größtes Plus, aber sein Stellungsspiel ist beeindruckend. Der Mann, dessen Karriere schon beendet schien, ist wieder da. Ob er im Klinsmann-Team nun von Beginn an spielt, oder nur als Reservist dabei ist, spielt eigentlich keine große Rolle. Ein großer Gewinner ist Nowotny schon jetzt, denn vor einem halben Jahr noch hätte wohl kaum ein Fußballexperte damit gerechnet, dass er nach seiner Leidenszeit noch einmal das WM-Ticket löst. Durch seine starken Leistungen bei Bayer, das Nowotny nach 10 Jahren nun verlässt, hat er es aber auch durchaus verdient, dabei zu sein.

7 Bastian Schweinsteiger - der Unbekümmerte

Position: Mittelfeld
Verein: FC Bayern München
Alter: 21
Länderspiele (Tore): 28 (7)

Deutschland war noch nie an Land der großen Techniker, doch ab und an, so alle paar Jahre, bringt auch Fußball-Deutschland den einen oder anderen technisch begabten Spieler hervor. Der Münchener Bastian Schweinsteiger ist ein solcher Spieler - und was für einer. Dribbelstark, torgefährlich, unbekümmert und respektlos - das sind die Eigenschaften, die dem 21-Jährigen zugeschrieben werden. Aus der Jugend des FC Bayern gelang "Schweini" anno 2003 der Sprung zu den Profis. Dort schaffte der talentierte Mittelfeldspieler sofort den Durchbruch und etablierte sich in der Startelf. Schon bald darauf folgte die Berufung ins DFB-Team und so durfte der damals 19-Jährige bei der EM 2004 erstmals Turnierluft schnuppern. Wie viele junge Spieler unterliegt auch Schweinsteiger noch einigen Formschwankungen. So muss er auf Grund der großen Konkurrenz in München auch hin und wieder auf der Bank Platz nehmen. Im DFB-Team ist sein Stellenwert jedoch immens, nicht zuletzt dank seiner starken Auftritte beim Confederationscup und in der WM-Vorbereitung. Ein Kandidat für die Anfangself, doch auch als Joker äußerst wertvoll. Könnte zu einem der Shootingstars des Turniers werden.

8 Torsten Frings - das fleißige Lieschen

Position: Mittelfeld
Verein: SV Werder Bremen
Alter: 29
Länderspiele (Tore): 52 (7)

Torsten Frings, genannt "Lutscher", zählte bei der WM 2002 in Japan/Südkorea zu den absoluten Leistungsträgern im DFB-Team. Gemeinsam mit Bernd Schneider bildete er ein Traumpärchen auf der rechten Mittelfeldseite. Spielte beim SV Werder Bremen 2005/06 seine bislang vielleicht beste Bundesliga-Saison. Das Umfeld in Bremen, wo Frings bereits zwischen 1996 und 2002 unter Vertrag stand, wirkt sich auf den ehemaligen Dortmunder und Münchener offenbar leistungsfördernd aus. Für Jürgen Klinsmann ist Frings vor allem wegen seiner Vielseitigkeit ein unverzichtbarer Bestandteil der Mannschaft. Der 29-Jährige ist auf fast allen Positionen einsetzbar - sei es nun als Abräumer vor der Abwehr, als Mann hinter den Spitzen, auf der linken oder rechten Mittelfeldseite, mit seinem Einsatzwillen und seiner Laufbereitschaft ist der zurückhaltende Mann mit den langen Haaren und dem Stirnbändchen für jede Position eine Verstärkung. Übrigens: wer glaubt, Oliver Kahn habe im Nationalteam keine Freunde, der irrt: die beiden Ferrari-Freaks Frings und Kahn sind super Kumpels.

9 Mike Hanke - der Draufgänger

Position: Stürmer
Verein: VfL Wolfsburg
Alter: 22
Länderspiele (Tore): 6 (1)

Mike Hanke ist ein absoluter Draufgänger - sowohl auf als auch außerhalb des Platzes. Auf dem Fußballfeld sucht der 22-Jährige zumeist den direkten Weg zum Tor, in Interviews ist er um keinen Spruch verlegen. Mike Hanke ist zielstrebig und von sich überzeugt. Vermutlich ist dies der Hauptgrund dafür, dass der Bundestrainer den Wolfsburger und nicht Kevin Kuranyi oder Thomas Brdaric, die beide als sensibel gelten, ins WM-Aufgebot berief. Als Hanke auf Grund einer Roten Karte im Confederationscup für die ersten beiden WM-Spiele gesperrt wurde, schienen die Endrundenträume des früheren Schalkers eigentlich bereits zerplatzt. Doch Klinsmann schrieb ihn nicht ab. Sicherlich auch, weil er wunderbar zur Spielphilosophie passt. Kraftvoll und dynamisch nach vorne spielen, so soll es in der Nationalelf zu gehen. Und genau dies ist Hankes Spielweise, obgleich es zuweilen ein wenig an Präzision fehlt. Dennoch fährt er mit breiter Brust und viel Optimismus zum Turnier. Beim VfL Wolfsburg hat er eine ordentliche Rückrunde gespielt. Zudem liegt ihm die Rolle des Jokers. Als Einwechselspieler von Schalke 04 sorgte er vor zwei Jahren erstmals für Aufsehen.

10 Oliver Neuville - der Konterstürmer

Position: Stürmer
Verein: Borussia Mönchengladbach
Alter: 33
Länderspiele (Tore): 55 (8)

Als Rudi Völler den Angreifer Oliver Neuville nicht für das Aufgebot für die EM 2004 berief, war die Enttäuschung beim damaligen Leverkusener unbändig. Aber vielleicht war dies das Beste, was ihm passieren konnte, denn was folgte, war eine Trotzreaktion. Bei seinem neuen Arbeitgeber Borussia Mönchengladbach fand der konterstarke Angreifer zu seiner alten Torgefährlichkeit zurück, die er bei Bayer auf Grund seiner Position auf der Außenbahn fast verloren hatte. Bei der WM 2006 ist Neuville wieder mit dabei - in der Rolle des Jokers. Neuville ist einer der wenigen Spieler im Kader, die bereits über WM-Erfahrung verfügen. Beim Turnier in Japan/Südkorea gelang ihm sogar ein wichtiges Tor, als er im Achtelfinale gegen Paraguay seinem Team durch ein Last-Minute-Tor das Weiterkommen sicherstellte. Die Stärken des pfeilschnellen Neuville liegen vor allem im Konterspiel, aber auch seine Schusstechnik ist nicht zu verachten.

11 Miroslav Klose - der Fußballgott

Position: Stürmer
Verein: SV Werder Bremen
Alter: 28
Länderspiele (Tore): 55 (24)

Der Bremer Mittelstürmer Miroslav Klose ist neben Kapitän Michael Ballack Deutschlands großer Hoffnungsträger für die WM. Seine 25 Toren in der zurück liegenden Bundesligasaison lassen die deutschen Anhänger vom Titel träumen. Das größte Plus des im polnischen Oppeln geborenen Angreifers liegt in seiner Vielseitigkeit. Beim ständig abstiegsbedrohten 1. FC Kaiserslautern hat er einst gelernt, dort hinzugehen, wo es richtig weh tut. Seine feine Technik und sein starkes Kopfball fügen sich nahtlos ein in das Bild eines kompletten Stürmers. Seinen internationalen Durchbruch feierte der Sympathieträger, der großen Wert auf Bodenständigkeit legt, bei der WM 2002, als er mit fünf Treffern zweitbester Turnier-Torschütze wurde. Diese Marke will der Bundesligatorschützenkönig nun unbedingt knacken. Sollte es ihm gelingen, werden wir bei der WM jede Menge Salti sehen - denn der Salto nach dem Tor ist Kloses Markenzeichen - und dürfen vielleicht auch auf den Titel hoffen. Ähnlich beeindruckend wie der sportliche Erfolg in der vergangenen Saison war Kloses Persönlichkeitsentwicklung. An der Weser hat sich das "stille Wasser" von einst zum Mann mit Führungsqualitäten und erstaunlichen rhetorischen Fähigkeiten entwickelt.

12 Oliver Kahn - der Routinier

Position: Torwart
Verein: FC Bayern München
Alter: 36
Länderspiele (Tore): 85 (0)

Dass Oliver Kahn nach seiner Degradierung zur Nummer zwei nicht das Handtuch warf, hat vielen Menschen, auch den meisten seiner Kritiker, Respekt abgenötigt. Er, der Titan, der beste Spieler bei der WM 2002 (trotz des Fehlers im Finale), nur auf der Reservebank - das konnten sich die wenigsten vorstellen. Am allerwenigsten wohl er selbst. Doch im Dienste der Mannschaft hat sich der dreimalige Welttorhüter dazu entschlossen, auch als Ersatzkeeper mit zur WM zu fahren. Und das ist auch gut so. Sollte Lehmann auf Grund einer Verletzung oder Sperre pausieren müssen, ist sofort gleichwertiger Ersatz zur Stelle. Zudem kann Kahn den jungen Spielern durch seine große Erfahrung sicherlich eine Hilfe sein. Die Liste der Erfolge und Auszeichnungen, die der Goalkeeper erreichte, ist ellenlang. Unzählige Meisterschaften und Pokalsiege schmücken seine Visitenkarte ebenso wie der Gewinn der Champions League anno 2001. Einziger Makel der fantastischen Karriere Kahns: ein Titel mit dem DFB-Team fehlt bisher. Aber das kann sich ja noch ändern.

13 Michael Ballack - der Kapitän

Position: Mittelfeld
Verein: FC Bayern München
Alter: 29
Länderspiele (Tore): 65 (31)

Nicht erst seit seinem jüngst bekannt gewordenen Wechsel zum FC Chelsea gilt er als Aushängeschild des deutschen Fußballs: Michael Ballack. Seit mehreren Jahren schon gibt es kaum jemanden, der ihm das Renommee als bester deutscher Fußballspieler streitig machen kann. Begonnen hat Ballack seine Bundesliga-Karriere beim 1. FC Kaiserslautern, wo er sogleich den ersten Meistertitel feierte (1998). Nach seinem Wechsel zu Bayer Leverkusen reifte er peu à peu zum besten Mittelfeldspieler der Republik, auch wenn ihm ein weiterer Titelgewinn zunächst vorenthalten blieb. Spätestens seit der WM 2002, als er zu den besten Akteuren des Turniers zählte, ist er auch aus dem DFB-Team nicht mehr wegzudenken. Nach dem großartigen WM-Auftritt führte sein Weg an die Isar, was einen weiteren Karriereschub zur Folge hatte. Gemeinsam mit dem FC Bayern errang der gebürtige Chemnitzer innerhalb von nur vier Jahren dreimal das Double aus Meisterschaft und Pokal - ein beachtenswerter Erfolg. Nun haftete Ballack endgültig das Attribut "Weltklasse" an. Anno 2004 beförderte Jürgen Klinsmann den "torgefährlichsten Mittelspieler Europas" (30 Tore in 63 Länderspielen) zum Kapitän der DFB-Elf, die er nun im eigenen Lande zum Titel führen soll. Ohne den dreimaligen Fußballer des Jahres wird dies kaum möglich sein, mit ihm aber könnte der große Traum vielleicht wahr werden.

14 Gerald Asamoah - der Deutsche

Position: Stürmer
Verein: FC Schalke 04
Alter: 27
Länderspiele (Tore): 40 (6)

So kurios es klingt: ausgerechnet der in Ghana geborene Gerald Asamoah verkörpert die traditionellen deutschen Tugenden von allen DFB-Spielern am besten. Ob es daran liegt, dass Asamoah am 3. Oktober, also dem Tag der deutschen Einheit geboren wurde? Aber Spaß beiseite: Der dunkelhäutige Angreifer ist ein absolutes Vorbild in punkto Einsatzwillen, Zweikampfstärke und Laufbereitschaft. Kein anderer Spieler ackert und rackert so sehr wie der Gelsenkirchener. Die personifizierte Torgefahr ist der Mann, den sie auch Blondie nennen, zwar nicht, doch seine Fähigkeit, den Ball abzuschirmen und damit den Gegner auf sich zu ziehen, schafft wertvolle Räume. Zudem ist Asamoah ein Meister darin, Freistöße herauszuholen. Beim FC Schalke 04 ist der sympathische Angreifer seit Jahren Liebling der Fans und hat seinen Platz in der Startformation sicher. Im DFB-Team hat der WM-Teilnehmer von 2002 die Rolle des Jokers inne. Bei einer Einwechslung ist er immer für positive Impulse gut.

15 Thomas Hitzlsperger - der Faktor X

Position: Mittelfeld
Verein: VfB Stuttgart
Alter: 24
Länderspiele (Tore): 15 (0)

Von den meisten Spielern im DFB-Team wissen wir, was wir von ihnen erwarten können. Von Thomas Hitzlsperger wissen wir es nicht. Er ist die große Unbekannte im DFB-Team. Der 24-Jährige Stuttgarter ist im Verein nicht gesetzt und spielte auch in der Ära Klinsmann bislang keine herausragende Rolle. Vor allem sind es wohl zwei Gründe, die für seine Nominierung den Ausschlag gaben. Zum einen spielte der 13-malige Nationalspieler vier Spielzeiten in der Premier League bei Aston Villa. Die Spielphilosophie in England gefällt dem Bundestrainer. Grund Nummer zwei, und das ist sein größter Bonus: Hitzlsberger ist ein Linksfuß. Mit der "linken Klebe" gelang ihm in England sogar das eine oder andere spektakuläre Weitschusstor, was ihm den Spitznamen "The Hammer" einbrachte.

16 Philipp Lahm - der Rechtsfuß auf Links

Position: Verteidiger
Verein: FC Bayern München
Alter: 22
Länderspiele (Tore): 18 (1)

Philipp Lahm ist alles andere, als sein Name aussagt. Er ist weder langsam noch lahm sondern wieselflink. Der Münchner ist auf der linken Abwehrseite für Klinsmann eine feste Größe, obwohl er als Rechtfuß eigentlich für die rechte Seite prädestiniert wäre. Seine Karriere startete der wuselige und wendige Lahm, der mit 1,70 Metern der kleinste im DFB-Team ist, bei den Amateuren des FC Bayern. Erste Station in der Bundesliga war jedoch der VfB Stuttgart, der sich die Dienste des Verteidigers auf Leihbasis sicherte. Bei den Schwaben gehörte er zu den jungen Wilden, die dort in den Jahren 2003 und 2004 für Furore sorgten. Lahm selbst bestach vor allem durch seine starken Offensivleistungen, die er bei der EM 2004, wo er zu den wenigen Lichtblicken gehörte, auch im DFB-Dress mit einbrachte. Kurz vor seiner Rückkehr an die Isar ereilte ihn unglaubliches Pech: ein Kreuzbandriss und daraus resultierend ein Jahr Verletzungspause. Doch mittlerweile hat sich der 22-Jährige wieder herangearbeitet, sowohl beim FC Bayern als auch im DFB-Team, für das der Jungspund bislang 17 Spiele bestritt. Die typische Spielweise des Außenverteidigers: Er kommt über die linke Seite, umspielt zwei gegnerische Abwehrspieler und zieht dann in die Mitte, um den Abschluss zu suchen.

17 Per Mertesacker - der Gentleman

Position: Verteidiger
Verein: Hannover 96
Alter: 21
Länderspiele (Tore): 23 (1)

Können Sie sich vorstellen, dass es einen Verteidiger gibt, der ohne Foulspiele auskommt? Nein? Dann kennen Sie offensichtlich Per Mertesacker nicht. Sicher, so ganz ohne Foul kommt auch der Hannoveraner Verteidiger nicht daher. Aber es kommt schon mal vor, dass Mertesacker über die gesamten 90 Minuten eines Spiels jeden Zweikampf gewinnt, ohne auch nur einmal einen Freistoß zu verursacht zu haben. Vor allem im Duell in der Luft ist der 1,96m-Mann kaum zu bezwingen. Der Innenverteidiger, mit seinen 21 Jahren einer der "jungen Wilden", ist aus dem Team des DFB kaum wegzudenken, auch wenn er nach einer Verletzung noch nicht wieder ganz an seine alte Leistungsstärke angeknüpft hat.

18 Tim Borowski - der Aufsteiger

Position: Mittelfeld
Verein: SV Werder Bremen
Alter: 26
Länderspiele (Tore): 20 (2)

Wenn es im deutschen Fußball eine Auszeichnung für den "Aufsteiger der Saison" gäbe, so würde der Bremer Mittelfeldspieler Tim Borowski sicherlich zu den heißesten Anwärtern zählen. In der vergangenen Spielzeit macht der schussstarke Mann, der bei Werder seinen Platz auf der linken Seite hat, einen großen Schritt nach vorne. Mir konstant guter Form machte sich der gebürtige Neubrandenburger in seinem Verein unentbehrlich und empfahl sich auf diese Weise auch für einen Stammplatz im DFB-Team. In der Rückrunde warf ihn allerdings eine Verletzung zurück, seitdem fehlt ein wenig die Konstanz. Sollte Michael Ballack ausfallen, dürfte ihm ein Platz in der Startformation sicher sein, denn die zentrale Position hinter den Spitzen liegt dem 1,94m-Schlacks besonders. Von dort aus könnte "der blonde Ballack" - so lautet seit einiger Zeit sein Spitzname - seine Torgefährlichkeit ausspielen, denn seine Schüsse aus der zweiten Reihe sind ligaweit gefürchtet. In den zurück liegenden beiden Spielzeiten brachte es der Bremer immerhin auf sieben bzw. acht Tore.

19 Bernd Schneider - der Techniker

Position: Mittelfeld
Verein: Bayer 04 Leverkusen
Alter: 32
Länderspiele (Tore): 64 (1)

Trotz eines Michael Ballack, trotz eines Miro Klose, trotz eines Bastian Schweinsteiger: als bester Techniker im deutschen Team gilt der Leverkusener Bernd Schneider. Der wuselige Mittelfeldmann hat den Spitznamen "Deutscher Brasilianer" sicherlich nicht zu Unrecht. Mit seiner feinen Technik gelingt es ihm scheinbar mühelos, den Gegner im Zweikampf zu narren. Was häufig folgt, sind gefährliche Flanken vor das gegnerische Tor. Das Toreschießen überlässt Schneider jedoch lieber den Mannschaftskollegen. Im DFB-Dress reichte es bislang lediglich zu einem Treffer. Die Höhepunkte seiner Karriere feierte Schneider, den man auch "Schnyx" nennt, anno 2002, als er mit Bayer Leverkusen das CL-Finale erreichte und mit dem DFB-Team Vize-Weltmeister wurde. Sollte der 32-jährige eine ähnlich gute WM spielen, wie seinerzeit in Japan/Südkorea, wird er für das Team und auch für dieses Turnier eine Bereicherung sein.

20 Lukas Podolski - der Shootingstar

Position: Stürmer
Verein: 1. FC Köln
Alter: 21
Länderspiele (Tore): 25 (12)

Um keinen einen anderen deutschen Spieler - lässt man Michael Ballack mal außen vor - ist der Hype so groß wie um Lukas Podolski. Zum einen hängt dies sicherlich mit seiner sympathischen, fröhlichen Art zusammen, die der "kölsche Jung" nach wie vor nicht verloren hat, zum anderen ist dies aber natürlich auch seiner spektakulären Spielweise zuzuschreiben. Der ehemalige Kölner und künftige Münchener erzielt nicht nur Tore wie am Fließband, sondern errang mit seinen sehenswerten Treffern auch reihenweise den Titel "Torschütze des Monats". Einzig der Bundestrainer erreichte diesen Titel noch häufiger. Nicht einmal drei Jahre ist es her, als sein Stern in Köln kometenhaft aufstieg. Seitdem hat "Prinz Poldi" eine Menge erlebt. Ein Auf- und zwei Abstiege mit dem FC, der Aufstieg zum Liebling der Massen, einen grandiosen Confederationscup mit der Nationalelf, die erste große Formkrise und dann doch wieder die Rückkehr an den deutschen Stürmerhimmel. Und dabei ist der gebürtige Pole gerade erst 21 Jahre alt. Zu den größten Stärken des wohl größten deutschen Sturmtalents zählen seine Unbekümmertheit und seine Abschlussstärke. Anders als die meisten seiner Vorgänger im Nationalteam trifft "Poldi" auch mal aus der zweiten Reihe. Auch deshalb ist der Shootingstar im Angriff neben Miroslav Klose in jedem Fall gesetzt. Wenn ihm der Druck nicht zu groß wird, hat "Poldi" sogar jetzt schon das Potential zum WM-Star.

21 Christoph Metzelder - der Pechvogel

Position: Verteidiger
Verein: Borussia Dortmund
Alter: 25
Länderspiele (Tore): 22 (0)

Die Karriere des Christoph Metzelder hatte so großartig begonnen. Im Alter von nur 21 Jahren war der spielstarke Innenverteidiger nicht nur bei Borussia Dortmund eine feste Größe, sondern auch einer der Leistungsträger im DFB-Team. Bei der WM 2002 in Japan/Südkorea zählte "Metze" zu den positiven Überraschungen im Völler-Team. Doch die darauf folgenden Jahre verliefen äußerst wechselhaft. Sein unglaubliches Verletzungspech warf ihn immer wieder zurück, sodass er sich beim BVB schließlich nur noch auf der Bank wieder fand. Seit einigen Monaten schöpft der rhetorisch begabte Westfale jedoch neue Hoffnung. Vor allem Dank Jürgen Klinsmann, der trotz wechselhafter Leistungen auf den 25-Jährigen setzt. Das Potential zu einem Verteidiger der internationalen Klasse hat Metzelder auf jeden Fall, nicht umsonst macht Vize-Meister Werder Bremen ihm Avancen. Vielleicht kommt seine alte Form während der WM wieder zurück - es wäre ihm zu wünschen.

22 David Odonkor - die Überraschung

Position: Mittelfeld
Verein: Borussia Dortmund
Alter: 22
Länderspiele (Tore): 1 (0)

Dass ein Neuling in den WM-Kader berufen wird, passiert nun wirklich nicht alle Tage. Aber wir kennen ja den Herrn Klinsmann, der immer mal wieder für die eine oder andere Überraschung gut ist. Mit der Nominierung von David Odonkor hatte wohl niemand vorher gerechnet - auch der Spieler selbst nicht. Die Idee aber ist keine schlechte, denn der 22-Jährige hat bei Borussia Dortmund ein tolles Jahr hinter sich. Besonders beeindruckend sind Odonkors Fähigkeiten im Sprint. Der schnellste Spieler der Bundesliga hätte mit diesem Talent wohl auch Leichtathlet werden können. Wenn er über die rechte Seite zum Spurt ansetzt, sehen die Verteidiger meist nur noch die Hacken seiner Fußballstiefel. Nur der Abschluss bedarf noch ein wenig der Verbesserung. Könnte als Einwechselspieler mit seiner unbekümmerten Art und seiner Spritzigkeit aber für wertvolle Impulse sorgen.

23 Timo Hildebrand - der dritte Mann

Position: Torwart
Verein: VfB Stuttgart
Alter: 27
Länderspiele (Tore): 3 (0)

Im Zuge des viel diskutierten Duells zwischen Kahn und Lehmann geriet fast in Vergessenheit, dass es noch einen weiteren ambitionierten Torhüter im deutschen Kader gibt: Timo Hildebrand. Für die WM 2006 ist er zwar nur die Nummer drei, doch seine Kontrahenten werden beide nicht jünger. Beim VfB Stuttgart ist der heute 27-Jährige seit Jahren die unumstrittene Nummer eins und längst vom Status des "jungen Wilden" zum Führungsspieler aufgestiegen. Sammelte in UEFA-Cup und CL auch reichlich internationale Erfahrung. Irgendwann wird deshalb auch die Zeit des Timo Hildebrand kommen, das scheint sicher. Wenn nicht nach dieser WM, dann eben nach der nächsten EM. Spätestens.

09. Juni 2006 - Tobias Ruedig (Wir-sind-wm.de)

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